|
|
 |
Die Campus-Camper |
| Überall hagelt es Proteste: Studis gegen Gebühren |
| Die Campus-Camper |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Das ist unser Haus, prangt fett auf einem Plakat über dem Eingang der Bamberger Uni in der Feldkirchenstraße. Seit zehn Tagen gibt es in der Feki nicht mehr nur Seminar-Räume, Vorlesungs-Säle und Büros, sondern auch eine Uni-WG.
Quasi über Nacht entstand auf dem Flur vor dem Audimax eine Studenten-Wohnung mit Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Knapp 30 Studis haben ihr Zuhause inzwischen in die Uni-WG verlegt. Ziel der Aktion: Die Studis wollen zeigen, was manch einem blüht, wenn die Studiengebühren kommen. Bittet der Staat für Bildung zur Kasse, bleibt kein Geld mehr für Miete. Und so proben die Bamberger Studis schon mal das Leben direkt neben dem Hörsaal.
Schlafsäcke stapeln sich auf aufgetürmten Matratzen, auf einem Wäscheständer trocknen Handtücher, der Küchentisch mit Eckbank Marke Gelsenkirchener Barock lädt zum Spätaufsteher-Frühstück ein. Wir haben hier alles, was wir brauchen, sagt WG-Bewohner Sebastian Schlockermann (23): Telefon, Internet, Herd, Kühlschrank. Und geduscht wird im Sport-Trakt. Man kann das so richtig schön zelebrieren, wenn man mit umgewickeltem Handtuch an der Mensa vorbeischlurft.
Rektor gab klein bei
Die Uni-Leitung duldet das Camp, auch wenn sie sich inhaltlich ausdrücklich nicht mit den Studierenden solidarisiert. Wir fordern freie Bildung für alle und ein kostenfreies Studium, bringt Michael Schmitt (21), WG-Bewohner und Mitglied im Bamberger Rat gegen Studiengebühren die Ziele auf den Punkt.
Im Januar hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot von Studiengebühren an deutschen Hochschulen gekippt. Die bayerische Staatsregierung will von Studierenden ab Sommer 2007 pro Semester satte 500 Euro kassieren. Vorlaut hatte Wissenschaftsminister Thomas Goppel die Gebühren ursprünglich ab dem kommenden Wintersemester angepeilt, musste dann aber zurück rudern, weil zu viele Details ungeklärt sind.
Jeder an der Uni schreit, dass er die Gebühren haben will, die Verwaltung, die Lehre, die Forschung, sagt Sebastian Schlockermann, aber geklärt ist natürlich noch nix. Mit Workshops und Diskussionsrunden unter dem Motto Kaffee mit Kritik wirbt die Uni-WG weitere Mitstreiter. Gestern wurde sportlich protestiert: Beim Sackhüpfen wurden Studiengebühren-Hürden überwunden, und statt nach Jerusalem ging die Reise nach Diplomania: Wer keinen Stuhl mehr ergattert, fliegt aus dem überfüllten Seminar — oder gar aus der Uni.
An der Uni Regensburg hat die Bamberger Aktion Nachahmer gefunden: Gut 30 Zelte sind seit Montag auf dem Campus aufgeschlagen. Mit Transparenten und Vorträgen machen die Studis auch hier gegen soziale Selektion im Bildungssektor mobil.
Für freie Bildung wurde Ende Mai auch an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule gecampt. Allerdings mussten die Nürnberger Studis ihre Zelte bereits nach fünf Tagen abbrechen, weil die Hochschulleitung sie nicht länger dulden wollte - man fürchtete um die Sicherheit der FH.
Nicht nur wohnend, sondern auch laut breitet sich die Protestlust der Studis über’s ganze Land aus: Mit einer Demonstration durch die Regensburger Altstadt protestierten vor ein paar Tagen rund 3000 Studierende gegen die Gebührenpläne, an der Uni Freiburg besetzten Studis eine Woche das Rektorat, in Stuttgart war einige Stunden ein Radiosender in studentischer Hand, und in Hamburg gingen vergangene Woche mehr als 10 000 Schüler und Studierende für gebührenfreie Bildung auf die Straße.
Nachdem gestern auf dem Stuttgarter Schlossplatz und auf dem Uni-Campus Essen erneut Tausende kräftig demonstrierten, schwappt die Demo-Welle dieses Wochenende auch wieder nach Bayern: Am Samstag wollen die Studis in Eichstätt einfallen und gegen Herrn Goppels Pläne ins Megafon brüllen. Start der Großdemo ist um 14 Uhr am Volksfestplatz.
Rambazamba im Schlossgarten?
Am Samstagabend wollen sich voraussichtlich auch Studierende der FAU zu Wort melden: Sie haben angekündigt, auf dem Erlanger Schlossgartenfest Rambazamba zu machen.
Die Evangelische Fachhochschule Nürnberg will am Freitag, 1. Juli, die drohenden Studiengebühren auf Klappstühlen aussitzen:
Bei Wasser und Brot wollen die Studis vor der FH in den Sitzstreik treten — und sich höchstens mal zum Dosenwerfen auf Politiker erheben. KRISTINA BANASCH |
| 24.6.2005 |
 |
| ©
NÜRNBERGER NACHRICHTEN, HOCHSCHULE EXTRA |
|
|
|
| | Artikel empfehlen | E-Mail an die Redaktion | Zur Druckversion |
|
 |
ANZEIGE |
| |
Bild des Tages
 Für eine größere Ansicht: Klick aufs Bild!
|
| |
35. BARDENTREFFEN
|
| |
Die aktuelle Frage Bundesweite Volksbefragungen - Was halten Sie davon? Hier klicken |
| |
Sommerferien 2010
|
| |
Alles was wichtig ist rund um die Szene in Nürnberg und noch viel mehr gibt es in der
Szene Extra!Einfach mal reinklicken |
| |
|