Hilfe für Blinde: Auf vielen unserer Seiten können Sie durch den Sprung zum ersten Anker die gesamte Navigation überspringen und so direkt zum Inhalt gelangen.

 |
 |
EXTRA-Tipp: Tag der Informatik mit Joseph Weizenbaum |
| EXTRA-Tipp: Tag der Informatik mit Joseph Weizenbaum |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Mit einem tollen Programm lockt der diesjährige «Tag der Informatik» am Freitag, 4. Mai, an der Technischen Fakultät in Erlangen, Erwin-Rommel-Straße 60. Am Vormittag werden Projekte von verschiedenen Lehrstühlen vorgestellt. Für den Nachmittag sind hochkarätige Gäste angekündigt.
Wer weiß schon, dass die SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, eine Pionierin der kommerziell angewandten Datenverarbeitung war?
1961 begann sie beim Versandhaus Quelle in Fürth eine Ausbildung zur Programmiererin. Später wurde sie Systemanalytikerin.
Insgesamt hat Renate Schmidt zwölf Jahre lang in diesem Bereich gearbeitet und dabei drei Generationen von Computern erlebt. Beim Tag der Informatik am 4. Mai um 14.45 Uhr wird sie «Systemanalytische Reminiszenzen» zum Besten geben.
Im Anschluss daran (15.15 Uhr) stellt Prof. Marc Stamminger vom Erlanger Lehrstuhl für Grafische Datenverarbeitung die Frage, ob Informatiker Spezialisten oder Generalisten sind. Es geht dabei um überraschende Querbeziehungen zwischen unabhängigen Anwendungsproblemen: Was die Planung einer Gehirnoperation mit der Kollisionserkennung in einem Computerspiel zu tun hat, ist dafür ein Beispiel.
Der Rest des Nachmittags ist dem Stargast gewidmet: Joseph Weizenbaum, einer der bedeutendsten Computerkritiker unserer Zeit. Der mittlerweile 83-Jährige wird persönlich anwesend sein, wenn der Dokumentarfilm «Rebel at Work» über ihn gezeigt wird (weitere Infos unter www.ilmarefilm.org im Internet) und steht anschließend zur Diskussion bereit.
Geboren im Berlin der 20er Jahre wuchs Weizenbaum in der jüdischen Bürgerschicht auf. Wohnung und Kürschnerei des Vaters waren auf einer Etage am vornehmen Gendarmenmarkt. An Bord des Schnelldampfers «Bremen» wanderte die ganze Familie 1936 in die USA aus.
Weizenbaum studierte an der Wayne University von Detroit, wo er sich bereits mit Computern beschäftigte. Nach dem Krieg war er an der Konstruktion eines Rechners beteiligt, der für den Test von US-Raketensystemen bestimmt war. 1963 begann Weizenbaums akademische Karriere am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er ab 1970 als Professor für Computer Science tätig war.
Bekannt wurde er mit der Entwicklung des Spracherkennungsprogramms «Eliza», das die Kommunikation zwischen Mensch und Computer ermöglichte. Schon zu dieser Zeit begann er, sich Gedanken über die gesellschaftlichen Folgen der Fortschritte in der Computertechnik zu machen.
Beispielweise gehörte Weizenbaum zu dem Team, das im Auftrag des US-Militärs überlegte, wie man die Datenübermittlung aufrecht erhalten könnte, wenn ein Atomkrieg alle gängigen Kommunikationswege zerstört hätte. Das damals entwickelte Arpa-Net wurde zu einer Grundlage des World Wide Web (www).
Vom Pionier zum Warner
In der Folgezeit trat der bisherige Computer-Pionier immer häufiger als offener Gegner einer unbekümmerten Fortschrittsgläubigkeit auf. 1976 erschien sein Hauptwerk, «Computer Power and Human Reason», das auf Deutsch den Titel «Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft» trägt.
Heute lebt Weizenbaum wieder in Berlin, im Nikolaiviertel, mit Blick auf das Marx-Engels-Forum und den Dom. Eine seiner wesentlichen Thesen lautet: «Computer sind wie alle Instrumente nicht wertfrei, sondern erben ihre Werte von der Gesellschaft, in der sie eingebettet sind. In einer vernünftigen Gesellschaft erfüllen sie möglicherweise viele nützliche Funktionen, doch bis dahin müssen sie kritisch betrachtet werden. In einer hoch militarisierten Gesellschaft, wie es die USA sind, sind sie Mordinstrumente.»
Auch vom heutigen Internet hält Weizenbaum wenig: «Es ist ein Misthaufen. 90 Prozent sind Schrott. Es finden sich aber auch ein paar Perlen und Goldgruben.» Er warnt vor den «embedded systems» in Servo- und Elektromotoren, deren Ausfall ein Blutbad auf den Straßen anrichten könnte. Und er sagt: «Etwas in eine Suchmaschine einzugeben und das Ergebnis auszudrucken, das ist das Gegenteil von Bildung.» hlo
Das genaue Programm am Erlanger Tag der Informatik steht unter www.informatik.uni-erlangen.de im Internet. |
| 1.5.2007 |
 |
| ©
NÜRNBERGER NACHRICHTEN, HOCHSCHULE EXTRA |
|
|
|
| | | | |
|
 |
|
|