|
|
 |
20 Regeln und 750 Wörter |
| Eichstätter Forscher hat «einfaches» Englisch entwickelt |
| 20 Regeln und 750 Wörter |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
The terrorists are going to kick the bucket soon», könnte ein amerikanischer Politiker seinen Anhängern versichern. Doch was meint er nur damit? Warum sollten die Terroristen bald gegen einen Eimer treten? Oder ist «Eimer» gar das Codewort für ein Anschlagsziel?
Weder noch, denn «to kick the bucket» bedeutet schlichtweg «sterben». Und genauso, wie kein Engländer verstehen würde, wenn ein Deutscher «ins Gras beißen» einfach mit «to bite into the grass» übersetzen würde, können auch englische Redewendungen bei wörtlicher Übersetzung zum Quell grandioser Missverständnisse werden.
Das will Joachim Grzega ändern: «Man sollte im Englischen nur das sagen, was auch wörtlich verstanden werden kann», meint der Sprachwissenschaftler von der Katholischen Uni in Eichstätt. Der 37-Jährige hat deshalb ein stark vereinfachtes Englisch erfunden, das «Basic Global English» (BGE). Es kommt mit 20 Grammatikregeln und einem Grundvokabular von 750 Wörtern aus.
Was heißt Eckfahne?
Doch keine Angst: Wer über Fußballspiele, Computer oder Gartenarbeit philosophieren möchte, kann sich trotz dieser Einschränkung verwirklichen. 250 zusätzliche Wörter darf man sich nämlich individuell aussuchen.
Für den Schulunterricht würde das bedeuten: Die Schüler dürften im Unterricht auch über das sprechen, was sie wirklich interessiert – selbst wenn der Grundwortschatz für die 7. Klasse noch nicht die Wörter für Eckfahne oder Pfostentreffer enthält.
Auch vor dem englischen «Ti-Äitsch» muss keiner mehr Angst haben. Denn Grzegas BGE toleriert Aussprachefehler, wie sie auch in den unterschiedlichen Dialekten ständig auftauchen. So kann man sich schnell verständigen und wird nicht durch übertriebene Sprachgenauigkeit demotiviert.
Wenn Missverständnisse drohen, wird natürlich auch bei Grzega korrigiert. Denn wer fragt: «Do you have another shit for me?”, wünscht sich schließlich nicht einen stinkenden Kothaufen auf dem Tisch, sondern lediglich ein Blatt Papier (sheet).
Durch einfache Regeln will Grzega Englisch als Weltsprache durchsetzen, vor allem als Kommunikationsinstrument von Nicht-Muttersprachlern. Dazu müsste der Lehrplan an den Schulen jedoch kräftig umgekrempelt werden.
Denn bisher kann ein kranker oder bestohlener bayerischer Drittklässler im fremdsprachigen Ausland zwar «butterfly» (Schmetterling), «fairy» (Fee) oder «stepmother» (Stiefmutter) sagen, nicht aber «police» (Polizei) oder «medicine» (Medizin).
«Der Grundwortschatz sollte Wörter einer Weltkultur enthalten. Dinge, die man global verstehen kann und braucht», fordert Grzega. Schließlich sei es unwahrscheinlich, dass sich ein deutscher Hauptschüler einmal seinen Wohnsitz an der britischen Küste haben werde. Viel wahrscheinlicher ist es dagegen, dass er sich mit Kollegen in der polnischen oder indischen Filiale seines Unternehmens verständigen muss. Genaue Aussprache ist da zweitrangig.
Während das Ziel des Englisch-Unterrichts bislang die Vorbereitung auf einen Auslandsaufenthalt in Großbritannien oder den USA war, wünscht sich Grzega Englisch als «eine tolerante, globale Kommunikationsmöglichkeit: Auch Briten und Amerikaner müssen lernen, mit Ausländern anders zu sprechen als mit ihren Landsleuten».
Eine Verflachung der englischen Sprache fürchtet der Wissenschaftler nicht. Denn Anglistik-Studenten sollen auch weiterhin kultiviertes Englisch lernen. «Mir geht es eher darum, Anfänger möglichst schnell hochzupushen, damit sie möglichst bald global kommunizieren können», sagt Grzega.
Test mit Zweitklässlern
Deshalb richtet sich BGE auch eher an Erwachsene denn an Schüler. Material zum Selbstlernen kann man jederzeit bei Grzega bestellen. Weit verbreitet ist BGE indes noch nicht.
Immerhin: Seit dem Schuljahr 2006/07 werden zwei Gruppen von Zweitklässlern an der Alexander-von-Humboldt-Volksschule in Goldkronach bei Bayreuth eine Stunde wöchentlich in «Basic Global English» unterrichtet. Die Eltern sind begeistert, wenn ihre Kinder durch BGE besser Englisch sprechen als mancher Fünftklässler.
Die Lehrmaterialien sind inzwischen erstellt, meint Grzega, «nur bei etwa zehn Wörtern überlegen wir noch, ob wir sie drinlassen oder andere reinnehmen». Nun wartet er auf weitere interessierte Schulen. Vor riesigem Aufwand und schwierigem Umdenken brauchen Lehrer und Rektoren jedenfalls keine Angst zu haben: «Ein Nachmittag mit mir», sagt Grzega, «reicht zur Vorbereitung völlig aus». MARTIN MÜLLER
Ausführliche Informationen gibt es im Internet unter www.basicglobalenglish.com |
| 2.12.2008 |
 |
| ©
NÜRNBERGER NACHRICHTEN, HOCHSCHULE EXTRA |
|
|
|
| | Artikel empfehlen | E-Mail an die Redaktion | Zur Druckversion |
|
 |
ANZEIGE |
| |
Bild des Tages
 Für eine größere Ansicht: Klick aufs Bild!
|
| |
35. BARDENTREFFEN
|
| |
Die aktuelle Frage Bundesweite Volksbefragungen - Was halten Sie davon? Hier klicken |
| |
Sommerferien 2010
|
| |
Alles was wichtig ist rund um die Szene in Nürnberg und noch viel mehr gibt es in der
Szene Extra!Einfach mal reinklicken |
| |
|