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Wer hat Mitleid mit dem kleinen «Pleo»?

Bamberger Wissenschaftler untersuchen die emotionalen Beziehungen von Menschen zu Robotern
 Wer hat Mitleid mit dem kleinen «Pleo»?
Foto: Jannis Brühl
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In den nächsten Jahrzehnten werden uns immer mehr Roboter im Alltag helfen. Doch mit dem Aufeinandertreffen von Mensch und künstlicher Lebensform stellen sich auch neue ethische und soziale Fragen. Ein Team aus Psychologen und Medizinern untersucht in Bamberg, ob wir zu Robotern emotionale Beziehungen aufbauen können.

«Das erste, was den Leuten zu Robotern einfällt, ist der Terminator», sagt Martin Diruf. Die von Arnold Schwarzenegger gespielte Killermaschine spiegelt die Ängste wider, die viele mit künstlichen Wesen verbinden. Nicht nur Arbeitsplätze würden durch intelligente Maschinen bedroht, irgendwann könnten die Roboter sogar die Weltherrschaft an sich reißen wie in Science-Fiction-Filmen, hört Diruf immer wieder.

Gemeinsam mit den Psychologen Sibylle Enz und Carsten Zoll erforscht er an der Uni Bamberg die Interaktionen zwischen Menschen und Robotern. Die Forscher der Gruppe für interdisziplinäre Psychologie (Grip) stehen in einer stolzen Tradition: Bereits in den 70er Jahren begannen in Bamberg Versuche, einen Roboter zu programmieren, der zu Emotionen fähig ist.

Seit diesem Jahr ist das Grip-Team an einem von der EU geförderten Programm beteiligt. Es geht um die Frage, ob Roboter als «Gefährten» oder gar «Freunde» dienen können – und um die damit verbundenen Hoffnungen und Befürchtungen. Natürlich haben die Bamberger Forscher selbst auch einen Roboter, der ihnen bei der Studie hilft. Er hört auf den Namen «Pleo» und hat mit dem Terminator rein gar nichts gemeinsam.

Der Roboter ist einem kleinen Dinosaurier nachempfunden. Er wurde von einer amerikanischen Firma gebaut und kostet 300 Euro. «Pleo» sieht sein Gegenüber aus großen blauen Augen an, gurrt, wenn man ihn streichelt und stolpert bei der ersten Inbetriebnahme tapsig herum wie ein Tierbaby.

Unter seiner grünen Gummihaut verbergen sich unzählige Bewegungs- und Akustik-Sensoren, und in seiner Schnauze steckt eine Kamera. Diese Bauteile ermöglichen es «Pleo», auf Töne, visuelle Eindrücke und Berührungen zu reagieren – fast wie ein lebendiges Haustier.

Wie Sybille Enz erklärt, reagierten autistische Kinder in Experimenten oft positiv auf Roboter, da diese nur wenige Signale aussenden. Die vielfältigen und komplexen Eindrücke, die Menschen bei ihnen hervorrufen, überforderten sie dagegen.

Ein Roboter könnte einen Menschen aber auch dazu verleiten, seine sozialen Kontakte abzubrechen, gibt Martin Diruf zu bedenken. Besonders Maschinen für alte oder ängstliche Menschen müssten deswegen so konzipiert werden, dass sie ihre Besitzer aktivieren, anstatt ihnen jede Arbeit abzunehmen und sie so zu isolieren, fügt Carsten Zoll hinzu.

In ihrem Experiment zeigen die Psychologen den Versuchspersonen einen Film, auf dem der kleine Maschinen-Saurier von einem Kampfroboter zerstört wird. Danach werden die Probanden mit «Pleo» alleingelassen und bei ihrer Kontaktaufnahme mit dem künstlichen Wesen gefilmt.

Bessere Version in Bau

Anschließend werden die Testpersonen nach ihren Gefühlen befragt. Die Forscher wollen wissen: Kann ein Mensch Mitleid mit einer Maschine haben? Noch sind die Studien nicht abgeschlossen, aber Diruf erzählt von ausschließlich positiven Reaktionen: Nicht nur Technikfreaks und Kinder, sondern alle haben Spaß mit «Pleo».

Doch die Forscher selbst dämpfen die Euphorie, dass «Pleo» wesentlich mehr sein könnte als ein Luxusspielzeug. «Momentan kann ein Roboter ein Haustier noch nicht ersetzen», sagt Zoll. Viele Versuchspersonen bemängeln, dass der Dino weder Stimmen noch Gesichter erkennen kann. Dies sei aber entscheidend, um eine echte Bindung zu ihm aufbauen zu können.

Hoffnung setzt das Grip-Team deshalb auf die eigene Tüftelei: Demnächst wollen die Wissenschaftler den Probanden einen umgebauten «Pleo» vorstellen. Der hat eine bessere Kamera und eine Software, die sich Gesichter merken kann. JANNIS BRÜHL
5.12.2008
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